Fotos: Mirko Bartels; Region Hannover; Gemeinde Wedemark

Bereits in wenigen Jahren könnte der Verkehr weitestgehend klimaneutral durch die Wedemark fließen. Dafür planen das Land Niedersachsen, die Region Hannover und die Gemeinde gemeinsam neue Angebote, Radwegenetze und die Umverteilung vorhandener Verkehrsflächen.

Der Ausbau von nachhaltigen Energiequellen und energetischen Baumaßnahmen sind wichtige Bausteine für eine CO2‐freie Zukunft in der Wedemark. Damit auch der Verkehr in einigen Jahren komplett klimaneutral unterwegs ist, bedarf es neben alternativen Mobilitätslösungen auch diverser Änderungen im Straßen‐ und Personennahverkehr. Conrad Vinken, Leiter des Fachbereichs Verkehr der Region Hannover, und Ewald Nagel, Referent für Presse, Öffentlichkeitsarbeit und Kommunikation der Gemeinde Wedemark, sprechen über die entsprechenden Pläne.

Auch in der Wedemark sollen sich die Menschen in wenigen Jahren CO2‐neutral fortbewegen können. Für einige Straßen und Aufgaben ist die Region Hannover zuständig. Welche sind das?

Conrad Vinken: Die Region Hannover ist Aufgabenträgerin für den ÖPNV. Sie bestellt innerhalb der Grenzen der Region Hannover die Leistungen bei der  , der und den Bahnen. Für die übrigen Verkehrsarten ist sie für den fließenden Verkehr, das heißt für den Rad- und Kraftfahrzeugverkehr auf Kreisstraßen, zuständig.

Conrad Vinken, Leiter des Fachbereichs Verkehr der Region Hannover

 

Womit können Bürgerinnen und Bürger im Hinblick auf den ÖPNV rechnen?

Conrad Vinken: Die Wedemark hat bereits jetzt ein hochattraktives Angebot mit einer starken S‐Bahn‐Linie 4 und zahlreichen Buslinien. Ab Juni kann sich die Wedemark über ein zusätzliches Angebot freuen. Denn die Gemeinde ist eine von drei Kommunen in der Region, in denen das neue Angebot getestet werden soll. Nutzerinnen und Nutzer können sich dabei zum normalen GVH‐Preis einen Kleinbus bestellen, der ganz in der Nähe ihrer Wohnstätte hält und sie zu einem beliebigen Ziel innerhalb der Wedemark oder von/nach Fuhrberg bringt. Weiterhin untersuchen wir flächendeckend, an welchen Bahnhöfen und Bushaltestellen Bike‐and-ride‐Anlagen sinnvoll sind. So ist zum Beispiel für den S‐Bahnhof in Mellendorf eine moderne Anlage angedacht.

Was planen Sie künftig in puncto Rad‐ und Autoverkehr in der Wedemark?

Ewald Nagel: Um mehr Menschen dazu zu motivieren, ihr Auto im Alltag öfter stehen zu lassen und sich aufs Rad zu setzen, etwa um zum Einkaufen, zum Arzt, zur Schule oder zum Bahnhof zu fahren, wird das Radwegenetz ausgebaut. Dazu hat die Region mit uns und dem Land im ersten Schritt ein Vorrangnetz für den Alltagsradverkehr erarbeitet, der Aus‐ und Umbau dieses Netzes ist bereits in vollem Gang. Mit verschiedenen Formen der Wegeführungen soll auf den Straßen und daran entlang ein Netz für Alltagsradler geschaffen werden. Radfahren soll komfortabel, zügig und sicher sein, sodass immer mehr Menschen Lust darauf bekommen. Gefährliche Knotenpunkte werden entschärft, bessere Übergänge zu Bus und Bahn errichtet, sichere Abstellmöglichkeiten für Fahrräder geschaffen und Anforderungen, etwa an Beleuchtung und Sicherheit, angepasst. Dabei sollen auch wichtige Hauptachsen, etwa vom Schulzentrum Mellendorf in Richtung Hellendorf und Bissendorf, die Ost-West-Achse vom Bahnhof Mellendorf sowie die Achse vom Bahnhof Bissendorf in Richtung Scherenbostel berücksichtigt werden. Bei der Umsetzung bearbeiten Land, Region und Gemeinde jeweils die Straßen, für die sie zuständig sind.

Ewald Nagel, Referent für Presse, Öffentlichkeitsarbeit und Kommunikation der Gemeinde Wedemark.

Gibt es dafür konkrete Beispiele?

Conrad Vinken: Außerorts werden wir 2022 die Verbindung zwischen Resse und Wiechendorf entlang der K 102 vollständig ausgebaut haben. Das gesamte Vorrangnetz an Kreisstraßen werden wir dann 2025 fertiggestellt haben – das beinhaltet auch die Mittelinseln an den Ortseingängen und die roten Radfahrstreifen beziehungsweise Piktogramme innerorts. Innerhalb der Ortschaften spielt für das sichere Miteinander des Rad‐ und Autoverkehrs natürlich auch die Geschwindigkeit eine erhebliche Rolle. Aus diesem Grund freue ich mich besonders über die große Resonanz zu unserem Innovationsprojekt „Tempo 30“, mit dem wir neben Fragen zu Verkehrssicherheit und ‐lärm auch die Bereitschaft der Radfahrenden, auf der Straße zu fahren, untersuchen wollen.

Werden beim neuen Radwegenetz auch die Wünsche der Bürgerinnen und Bürger berücksichtigt?

Ewald Nagel: Neben der Expertise der Region sind wir auf das lokale Know-how der Bürger angewiesen. Daher haben wir sie bislang in die Entwicklung miteinbezogen und werden dies auch weiter tun. Die konstruktiven Ansätze aus der Bevölkerung sind immer ein Anreiz und in den Planungen stets willkommen.

Ist die Verkehrswende in der Wedemark aus Ihrer Sicht realisierbar?

Conrad Vinken: Ich hoffe sehr, dass wir es gemeinsam schaffen, eine Verkehrswende einzuleiten. In den ländlich geprägten Räumen, wo ein eigenes Kraftfahrzeug noch unverzichtbar erscheint, ist das eine große Herausforderung. Beginnen wir mit den Entfernungen unter zehn Kilometern und den Wegen nach Hannover: Die kurzen Strecken können mit dem Fahrrad gefahren werden, die nach Hannover mit dem ÖPNV. Neben den positiven Auswirkungen auf das Klima, die leider nicht kurzfristig für die Bürgerinnen und Bürger spürbar sind, gibt es weitere Vorteile: Radfahren ist gesünder, kostengünstiger und auch für fast alle möglich, die keinen Führerschein besitzen.